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Ofenduft, Handwerk und Heimatliebe

Ofenduft, Handwerk und Heimatliebe

Der Sonntag vor wenigen Tagen begann früh in der kleinen Ortschaft an der Haidenaab – noch bevor der erste Hahn krähte, war Sebastian Boemmel bereits mit Holz und Feuer beschäftigt. Gemeinsam mit seiner Mutter Marga und seiner Freundin Johanna heizte er den alten Brotbackofen im Garten hinter dem Elternhaus an. Ein Garten wie aus dem Bilderbuch: üppig blühende Stauden, reifende Johannisbeeren, erste Trauben, alte Apfelbäume – und mitten darin der gemauerte Ofen, fast schon in Sichtweite des Schlosses Unterbruck.

Ein Garten voller Geschichten und Aromen

„Der Ofen ist sozusagen das Herzstück hier“, erzählt Sebastian, während sich erste Rauchschwaden über die Haidenaab legen. „Mein Vater hat sich diesen Traum zu seinem 60. Geburtstag erfüllt. Seitdem wird hier im Garten regelmäßig gebacken – manchmal Brot, manchmal Pizza, manchmal auch Braten.“

An diesem Sonntag ist es ein ganz besonderer Anlass: Die Brote, die heute gebacken werden, sollen beim historischen Erntedankzug in Kastl am 14. September verteilt werden – stilecht in historischer Kleidung, die das Trio heute ebenfalls ausprobierte. „Man muss sich erst daran gewöhnen“, meint Johanna schmunzelnd, „aber irgendwie fühlt man sich gleich ein bisschen wie früher.“

Vom Feuer zur Pizza zur Brotzeit

Noch bevor der Ofen seine volle Hitze erreicht hat, beginnen die Vorbereitungen: Sauerteig wird angesetzt, Brotteig geformt, Gewürze abgewogen. „Ich mische meine Gewürze selbst – Kümmel, Anis, Fenchel und Koriander. Das Rezept stammt aus unserer Familie und wurde so weitergegeben – da wird nichts dran geändert“, sagt Sebastian und grinst.

Weil der Holzofen eine ganz besondere Hitze hält, werden zunächst mehrere Pizzen eingeschoben. „Das ist die perfekte Vorbereitung – Pizzen brauchen nur ein paar Minuten, danach ist der Ofen ideal fürs Brot“, erklärt Marga. Als die knusprigen Pizzen dampfend aus dem Ofen kommen, ist das ganze Grundstück bereits von einem herrlichen Duft erfüllt – ein Vorgeschmack auf das, was noch folgen wird.

Dann geht alles schnell: Teiglinge rein, Klappe zu – und jetzt heißt es warten. Nach etwa einer Stunde zieht Sebastian mit dem Brotschieber die fertigen Laibe heraus. „Der Moment ist jedes Mal besonders – wenn du riechst, dass es gelungen ist, und die Kruste knuspert.“

Leidenschaft fürs Handwerk – von Generation zu Generation

„Ich koche und backe generell sehr gerne und probiere Neues aus“, erzählt Sebastian. „Mein Vater war gelernter Bäcker. Ich glaube, da habe ich das eine oder andere Gen geerbt.“ An sein erstes herkömmliches Brot erinnert er sich nicht mehr genau: „Ich hab mit Semmeln und Brezen angefangen – aber mein erstes Sauerteigbrot war ein Erlebnis. Es hat gleich überraschend gut geschmeckt, auch wenn es optisch... nennen wir’s künstlerisch war.“

Heute ist er in seinem Element – das merkt man jedem Handgriff an. „Was mich am Brotbacken begeistert, ist die Einfachheit: Wasser, Mehl, Salz, Gewürze – und daraus entsteht etwas so Wertvolles. Ohne Zusatzstoffe, ohne Schnickschnack. Und man weiß genau, was drin ist.“ Die Zutaten bezieht Sebastian regional: „Das Mehl hole ich bei der Senkendorfer Mühle – mein Papa hat dort schon gekauft. Das ist Heimat.“

Alte Technik, neue Begeisterung

Während viele das Backen dem Supermarkt überlassen, setzt Sebastian auf das Erlebnis: „Der Holzofen macht’s besonders. Das Anfeuern, das Einschießen der Teiglinge – das ist ein kleines Fest. Und wenn der ganze Garten nach Brot riecht, ist das einfach ein Moment zum Genießen.“ Im Alltag backt er fast jede Woche im normalen Ofen – der Holzofen kommt alle paar Monate zum Einsatz. „Dann aber richtig – Pizza, Brot und danach Fleisch. Wenn schon, denn schon.“

Vorbereitung für den großen Tag in Kastl

Für den Erntedankzug im September will Sebastian auf Nummer sicher gehen: „Ich werde vorher noch ein, zwei Mal probebacken. Nichts groß verändern, sondern beim bewährten Rezept bleiben. Dann wird das schon.“ Ein Durchgang ergibt bis zu 13 Brote – wie viele es letztlich werden, entscheidet sich noch. „Aber es gibt schon einige, die gesagt haben: Wenn was übrig bleibt, nehm ich gern eins mit!“ Geplant ist, die Brote beim Umzug zu verteilen – sicherheitshalber wohl nicht direkt vom Wagen, sondern von den Begleitern am Straßenrand. Und wenn noch was übrig bleibt? „Dann kann ich mir gut vorstellen, dass wir die Brote am Festplatz mit Aufstrich gegen einen kleinen Obolus anbieten.“

Ein Stück gelebte Tradition

Für Sebastian ist das Brotbacken mehr als ein Hobby – es ist Teil seiner Identität. „Ich finde es wichtig, solche alten Handwerkstraditionen lebendig zu halten. Man versteht dadurch viel besser, wie viel Arbeit in unseren Lebensmitteln steckt. Man lernt, sie mehr zu schätzen.“ Auch der Gemeinschaftsaspekt spielt eine Rolle: „In Unterbruck kennt man noch jeden. Es gibt für mich nichts Schöneres, als an einem schönen Tag durchs Dorf zu laufen – mit dem Blick auf den Kulm und über die Felder.“ Und was empfiehlt Sebastian den Jüngeren? „Einfach mal anfangen. Sauerteig wirkt am Anfang kompliziert, aber mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür. Und wenn mal was schiefgeht: kein Problem, das gehört dazu. Ich erzähl sowas gern weiter – vielleicht hilft’s ja dem einen oder anderen.

Butter, Bier und ein perfekter Abend

Am Ende dieses besonderen Tages sitzen Sebastian, Marga und Johanna im Garten. Das frische Brot wird angeschnitten, dazu gibt’s Butter, Radi, Obazdn – und eine kühle Halbe. Das Gackern der Hühner vermischt sich mit dem Rauschen der Haidenaab. Ein Moment, der kaum perfekter sein könnte. „Wenn das Brot frisch aus dem Ofen kommt, ist das wie ein warmer Willkommensgruß“, sagt Sebastian. „Ein Duft, der nach Heimat riecht.“ Und was gehört für ihn unbedingt auf ein gutes Bauernbrot? „Eigentlich reicht Butter. Und ein Seidl Bier dazu. Mehr braucht’s nicht.“

Am 14. September dürfen sich die Besucher des historischen Erntedankzuges auf genau diesen Geschmack freuen – und auf ein Stück lebendig gewordene Tradition mitten aus Unterbruck.

Ofenduft, Handwerk und Heimatliebe
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